Passend zum diesjährigen Thema Dance Me to the End of Love schuf das frühlingshafte Wetter eine emotionsgeladene Atmosphäre und lockte so viel Publikum wie nie zuvor auf den legendären Monte Verità. Das hochkarätige Programm verband Literatur, Reflexion und Performance. Präsentiert wurden Persönlichkeiten wie Emanuele Trevi, Eva Illouz, Lukas Bärfuss, Navid Kermani und Michel Houellebecq.

Von der Eröffnung bis zum Abschluss mit dem Romanautor und Dichter Michel Houellebecq, der auch als Musiker auftrat, entwickelte sich ein spannender dramaturgischer Bogen über das gesamte Wochenende hinweg. Die Dringlichkeit der Liebe in einer von Kriegen geprägten Zeit war in jedem Beitrag spürbar, weshalb der künstlerische Leiter Stefan Zweifel betonte: ”Selten wurde das Bedürfnis nach Literatur so intensiv empfunden: Zwischen Kriegen und Unruhen machte jede Begegnung die Dringlichkeit der Liebe und die Komplexität unserer Zeit greifbar.”
Viele der Vorstellungen auf dem Monte Verità waren ausverkauft, und so zieht der Präsident des Festivals, Raphaël Brunschwig, eine sehr positive Bilanz: “In einer Zeit, die von Spannungen und Unsicherheiten geprägt ist, hat das Festival gezeigt, wie Literatur Verbindungen schafft, innere Räume öffnet und der Erfahrung der Liebe wieder Tiefe verleiht.”
Nach der Eröffnung mit Emanuele Trevi, der das Publikum auf eine intensive Erzählreise mitnahm, verband Navid Kermani die persischen Feiern von Liebe und Tod mit der Geschichte seiner Familie im Iran. Auch Lukas Bärfuss untersuchte die Dialektik zwischen Krieg und Liebe und bot eine exklusive Vorschau auf sein kommendes Buch, das seiner Mutter gewidmet ist.
Wie die Kraft der Literatur die vielfältigen Wahrheiten und die Komplexität der Welt jenseits einer einzelnen Perspektive zum Vorschein bringen kann, zeigte sich in der Lesung von Deborah Levy, moderiert von Chiara Barzini. Letztere stellte noch am Tag zuvor ihr eigenes Werk in einer gut besuchten Debatte vor. Antonella Lattanzi begeisterte das Publikum mit der emotionalen Kraft ihres Schreibens und stellte eine intensive Reflexion über Beziehungen und Wunden der Kindheit in den Mittelpunkt. Terézia Mora wiederum bot einen klaren und kompromisslosen Blick auf die Dynamiken der zeitgenössischen Liebe, während Eva Illouz im Dialog mit dem Werk von Michel Houellebecq ihre soziologische Perspektive auf die Liebesleiden im Zeitalter der Dating-Apps darlegte. Pop- und Hochkultur verschmolzen bei der Lesung der Schauspielerin Barbara Nüsse, die Texte von Boris Vian vortrug.
Die Performances von Judith Kuckart und Madame Nielsen gingen weit über das traditionelle Lesungsformat hinaus. Patrycia Ziolkowska brachte gemeinsam mit dem Perkussionisten Vincent Glanzmann und Festivalleiter Stefan Zweifel eine dionysische Dimension ins Spiel. So entstand eine Brücke zu Nietzsche und Nijinsky, die weiterführte zu den Darbietungen der Tänzerin Sarah Brahim, begleitet von den Klängen Omís am Klavier. Das Programm umfasste auch die audiovisuelle Arbeit des Regisseurs Fabio Cherstich über die Verbreitung von AIDS in der queeren Kunstszene New Yorks. Die Emotionen waren greifbar: Dance Me to the End of Love.
Nicht nur der Monte Verità diente als Bühne, sondern auch die Eranos-Stiftung, wo Allan Guggenbühl in Erinnerung an C.G. Jung die Geschichte des Ortes vorstellte und seine Initiative «Kolyska» präsentierte. Diese “mythodramatische“ Methode hilft kriegstraumatisierten Kindern in der Ukraine. Walter Feilchenfeldt wiederum erinnerte an die Zeit der Weltkriege und erzählte bei einem geführten Besuch in der Casa Monte Tabor von seiner Kindheit in der Villa, die Erich Maria Remarque bewohnte.
Neben den literarischen Begegnungen bot das Festival auch symbolische Momente. Tarot-Veranstaltungen, Workshops und Lesungen für Kinder sprachen ein Publikum jeden Alters an.
Die 15. Ausgabe des Festivals Eventi letterari Monte Verità findet vom 18. bis 21. März 2027 in Ascona und Locarno statt.
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Die 14. Ausgabe des Festivals Eventi letterari wird vom Verein Eventi letterari Monte Verità unter dem Vorsitz von Raphaël Brunschwig veranstaltet. Die künstlerische Leitung liegt bei Stefan Zweifel in Zusammenarbeit mit Giuliana Altamura und Stefano Knuchel. Die organisatorische Leitung hat Carmen Werner inne. Wir danken dem Departement für Bildung, Kultur und Sport des Kantons Tessin, der Gemeinde Ascona, der Tourismusorganisation Lago Maggiore e Valli und dem Presenting Partner La Mobiliare. Unser Dank gilt zudem den Kulturstiftungen und privaten Spendern, die das Projekt unterstützen.
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Giada Peter
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