Das Programm des 14. Literaturfestivals Monte Verità Eventi letterari steht fest. Unter dem Motto von Leonard Cohens Song Dance Me to the End of Love verbinden sich die Themen Tanz und Erotik, Liebe und Tod zu einem Gesamtkunstwerk. Das Festival versammelt international renommierte Autor*innen wie Lukas Bärfuss, Eva Illouz, Navid Kermani, Terézia Mora, Emanuele Trevi und viele mehr. Die von Stefan Zweifel kuratierten Literaturtage finden vom 26. bis 29. März 2026 in Ascona und Locarno statt.

Mit dem Frühling erwachen auch die Blüten der Liebe am Monte Verità, der seit jeher auch als Hügel der „freien Liebe“ bekannt ist. Doch gibt es das wirklich, eine freie und ungebundene Liebe? Will die Liebe nicht etwas Unbedingtes sein, etwas Absolutes, wie der Tod? Und gilt diese romantische Liebe heute noch in Zeiten der Dating-Apps, oder ist die Liebe so frei geworden, dass sie gar nichts mehr bedeutet? Die Fragen leiten durch das Programm des diesjährigen Festivals.

Psychologie der Liebe

Das Drama der Liebe in unserer digitalen Gegenwart hat niemand so hellsichtig analysiert, wie die französisch-israelische Star-Soziologin und Autorin Eva Illouz in ihrem Bestseller Warum Liebe endet. Zuletzt leuchtete sie die Rolle der Emotionen in Explosive Moderne vor der aktuellen Weltlage psychologisch und politisch aus. All diese explosiven Emotionen werden in einer Diskussion in ihrer aktuellen Brisanz seziert.

Internationale Ausstrahlung
 
Eröffnet wird das Festival am Donnerstag, 26. März 2026 vom italienischen Schriftsteller Emanuele Trevi, Träger des renommierten Premio Strega. Trevi bietet seinen Leser*innen eine erzählerische Erfahrung mit Initiationspotenzial, die zu den verborgenen Wahrheiten des Daseins führt.
 
Erneut in Ascona zu Gast sind die beiden Büchner-Preisträger*innen Terézia Mora und Lukas Bärfuss. Bärfuss gibt auf dem Monte Verità eine exklusive Vorschau auf seinen Mitte Mai 2026 erscheinenden Roman Königin der Nacht. Ein kurzes Buch über meine Mutter. Die autobiografische Reflexion über seine Herkunft aus einem Haushalt ohne Geld und ohne Zärtlichkeit balanciert zwischen persönlicher Verantwortung und gesellschaftlich produziertem Elend. Die deutsch-ungarische Schriftstellerin Terézia Mora erforscht hellsichtig Beziehungen in ihren fragilsten und widersprüchlichsten Bereichen. In ihrem neuesten Roman Muna oder Die Hälfte des Lebens zeigt sie, wie Liebe zu einer Fessel, zu Selbstverlust und Obsession, aber auch zu einer Offenbarung werden kann.
 
Mit Spannung erwartet wird auch der neue Roman des Schriftstellers und Publizisten Navid Kermani, Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels. In Sommer 24 beschreibt er, wie es ist, wenn sich die vertraute Welt auflöst und das, was gestern noch normal war, heute nicht mehr gilt. In Ascona liest er nicht nur aus dem Roman, vielmehr ergründet er die Aktualität von Simone Weils Philosophie der Liebe.

Die Italienerin Antonella Lattanzi, eine der eindringlichsten Stimmen ihrer Generation, bringt in ihrem neuesten Werk Chiara komplexe und widersprüchliche Gefühle in einer lebendigen, zärtlichen und wilden Sprache zu Papier.

Chiara Barzini ist eine weitere starke Stimme aus Italien. In L’ultima acqua folgt sie auf einer Reise zum Aquädukt von Los Angeles dem gestohlenen Wasser, das den Mythos der Stadt begründet hat. Der Roadtrip verbindet die Liebe zu Los Angeles und das Ende des amerikanischen Traums.

Liebes- und Totentänze

Eros und Thanatos sind unzertrennliche Geschwister, die sich seit der Antike in einem Liebes- und Totentanz umkreisen. Das schildert der Mailänder Regisseur Fabio Cherstich in einem performativen Vortrag mit Projektionen über Underground-Künstler im New York der 1980er Jahre, wo in Stripclubs und Schwulenbars der queere Tanz der freien Liebe im schwarzen Wirbel von AIDS versank.

Die Lesung der Schauspielerin Patrycia Ziolkowska mit einer Rede-Performance des Festival-Direktors Stefan Zweifel lotet die dionysische Philosophie von Nietzsche als Pas de deux mit dem Jahrhunderttänzer Waslaw Nijinsky aus. Der Musiker und Schlagzeuger Vincent Glanzmann umtrommelt virtuos diese Sternstunde im Sinne von Nietzsche: „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern zu gebären.“

Ein weiterer Höhepunkt verspricht das erstmals aufgeführte Duett der Kunstschaffenden Sarah Brahim und Omí zu werden, in dem sie, ausgehend von der transkorporalen Theorie, mit Körper, Klang und Bewegung arbeiten. Und in einer ungewöhnlichen Lese-Performance führt die Schriftstellerin und Choreografin Judith Kuckart zusammen mit Literaturclub-Moderatorin Laura de Weck einen Tanz der Wörter auf.

Zwischen Schönheit und Schrecken

Als einer der eigenwilligsten Figuren der gegenwärtigen Literaturszene gelang Madame Nielsen mit ihrem Lamento ein Liebesroman über die Unmöglichkeit, den Zauber der Verliebtheit mit dem Alltag in Einklang zu bringen. Mit dem Literaturwissenschaftler Philipp Theisohn schlägt sie auf dem Monte Verità einen bewegenden Bogen durch ihr ganzes Werk und Leben.

Wie hielten es Tim und Struppi mit der Liebe und dem Tod? Der ehemalige Feuilleton-Chef der NZZ, Martin Meyer, fängt mit Vignetten aus dem weltberühmten Comic alle grossen und kleinen Fragen ein, die im Frühling am Monte Verità erblühen.

Die Starschauspielerin Barbara Nüsse vom Hamburger Thalia-Theater liest zum ersten Mal und exklusiv aus Vians Jahrhundertwerk Der Schaum der Tage. In diesem „wohl schönsten Liebesroman der Weltliteratur“ (Raymond Queneau) entwirft Vian den „Pianocktail“, ein Instrument, das Musik in köstliche Cocktails verwandelt. Als Verbindung zum Festival zaubert der legendäre Barchef der Zürcher Kronenhalle Bar, Peter Roth, Cocktail-Kreationen auf dem Monte Verità.

Tessiner Exkursionen

Während des Festivals öffnet die legendäre Casa Monte Tabor zum ersten Mal ihre Tore für die Öffentlichkeit. Hier lebte Erich Maria Remarque mit der Hollywood-Diva Paulette Goddard. Der Kunstexperte Walter Feilchenfeldt, dessen Vater Remarques Kunstsammlung kuratierte, wird ganz persönlich von seinem Patenonkel Remarque erzählen. Dazu werden unbekannte Fotografien seiner Mutter Marianne Breslauer gezeigt, auf denen man in das Leben von Remarque und den Feilchenfeldts eintaucht.

Wie er mit neuen Ansätzen kriegstraumatisierten Kindern in der Ukraine hilft, erläutert Allan Guggenbühl in der Eranos-Stiftung am See, wo seit 1933 im Zeichen von Carl Gustav Jung die Kraft der Psychologie zwischen Ost und West erweitert wurde. Guggenbühl entwickelte eine spezielle Form der Gruppenmethode, um Jugendlichen zu ermöglichen, in tragischen Zeiten mit Spielfreude sich selbst und die Umwelt zu entdecken.

Leonard Cohens Lied Dance Me to the End of Love ist das Motto von 2026: Was am Ende der Liebe steht, lässt er offen, der Tod oder ein Neuanfang – das entscheidet sich jedes Mal und in jedem Leben erst am Ende einer Liebe. Davor aber heisst es: Dance, dance dance!

Das gesamte Programm des Festivals Monte Verità Eventi letterari 2026 sowie Informationen zum Ticketverkauf sind unter folgendem Link zu finden.

Die 14. Ausgabe des Festivals wird von der Associazione Eventi letterari Monte Verità gefördert, der Raphaël Brunschwig vorsteht. Die künstlerische Leitung liegt bei Stefan Zweifel in Zusammenarbeit mit Giuliana Altamura und Stefano Knuchel, die organisatorische Leitung bei Carmen Werner. Ein besonderer Dank geht an das Departement für Bildung, Kultur und Sport des Kantons Tessin, die Gemeinde Ascona, die Tourismusorganisation Lago Maggiore e Valli und an den Presenting Partner, die Mobiliar. Das Festival dankt auch den Kulturstiftungen und den privaten Förder*innen, die das Projekt unterstützen.

Für weitere Informationen und zur Vereinbarung von Interviews kontaktieren Sie bitte:

Pressebüro
Giada Peter
giada.peter@eventiletterari.ch
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